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Kultürchen 10: Erhard von Büren - «Abdankung»

zmitz hat im Archiv gegrübelt und CDs und Bücher von Solothurnerinnen und Solothurnern hervorgekramt. Tim Felchlin hat Erhard von Bürens «Abdankung» gelesen.

Wieso ich das Buch empfehle
Es macht Spass einen weitgehend unbekannten Roman, der vor beinahe dreissig Jahren geschrieben wurde, neu zu entdecken. Man tastet sich Seite für Seite durch eine schnörkellose Erzählung zweier schnörkelloser Leben – eine ehrlich schöne Vater-Sohn-Geschichte.

Was besonders daran ist
Die letzten Monate eines Sterbenden werden zur Hommage an einen Durchschnittsmenschen und an eine ganze Arbeitergesellschaft. Der Bericht eines unspektakulären Alltags wirkt echt und die Sprache sowie der räumliche Kontext solothurnerisch-vertraut.

Und das ist das Buch
Dass der alte Steinhauer sterben wird, weiss der Leser von Beginn an, womit «Abdankung» zum nüchternen Rückblick des Sohnes auf das letzte Jahr des Vaters wird. In Form dieses trockenen Berichts erfährt der Leser, wie sich Vater und Sohn, vielleicht zum ersten Mal, näherkommen. An keiner Stelle lässt Erhard von Büren Sentimentalität aufkommen. Stattdessen färbt er den Text mit sardonischem, zynischem Humor, der in der Person des alten Steinhauers zum Ausdruck kommt. Währenddessen waltet der Sohn und Ich-Erzähler als beteiligter Beobachter. In dieser leidenschaftslosen Atmosphäre gelingt es von Büren eine ehrliche Zuneigung zwischen Vater und Sohn entstehen zu lassen.
Der Autor gibt den Alltag zweier unspektakulärer Männer in knapper, regionalgefärbter Sprache wieder. Dass Nüchternheit poetisch sein kann, beweist diese Sprache. Schade, dass «Abdankung» trotz allem nicht frei von einigen sprachlichen Patzern ist.

Der Plot hat keinen eigentlichen Spannungsbogen und funktioniert als Warten auf den Tod. Das ist weder problematisch noch langweilig. Vor lauter Alltags-Berichterstattung fehlt zu weiten Teilen aber eine Entwicklung der Protagonisten. So bleibt der arbeitslose Sohn, der sich damit abgefunden hat, dass seine Frau ihn betrügt, bis zum Ende ein lethargischer Typ in der Midlife-Crisis, dem man gerne einen «Schutt in den Arsch» verpassen möchte.
Trotz dieser Mängel zeichnet sich «Abdankung» durch die bewusst gewählte Sprache aus und widmet sich mit klarem und objektivem Blick gekonnt dem Arbeitermilieu.

Ein Buch kann man bewusst danach auswählen, dass man keinerlei Vorkenntnisse über die Geschichte oder den Autoren hat. So ist es mir mit «Abdankung» ergangen und ich stelle fest, dass sich dieses Vorgehen durchaus lohnen kann.

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