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Einblick in die Vorbereitungen von «L'Orfeo»

Die Vorbereitungen auf die Aufführungen der Barockoper «L'Orfeo» auf Schloss Waldegg laufen auf Hochtouren. Jan Börner - einer der Sänger - hat uns einen kurzen Einblick in diese aufregende Phase ermöglicht. 

Am 10. August geht’s los. Wie viele Stunden werden Sie vor dem ersten Auftritt auf Schloss Waldegg voraussichtlich geübt haben? Und wie muss man sich das Üben vorstellen? Singen Sie für sich «im stillen Kämmerlein»? Mit einem Musiker zusammen? Und ab wann mit den anderen Sänger/innen?

Eine Zahl zu nennen ist sehr schwierig. Jeder Sänger bereitet seinen Part individuell vor, in der Regel mithilfe eines Tasteninstruments. Zuerst muss man sich aber natürlich mit der gespielten Oper als Ganzes beschäftigen, die Handlung und die einzelnen Charaktere verstehen. Beim Einstudieren der Stücke geht es dann in erster Linie um den Text und wie dieser vom Komponisten in Melodie und Rhythmus umgesetzt wurde bzw. wird. Denn nicht alles, was und wie man es singt, ist immer auch genau so notiert. Dazu bedarf es an nötigem Wissen zur Aufführungspraxis. An den ersten beiden Tagen der Probenphase proben alle Sänger mit dem Musikalischen Leiter und dem Cembalisten das ganze Stück rein musikalisch durch. Offene Fragen werden diskutiert und Details festgelegt. Idealerweise kennt man zu diesem Zeitpunkt seinen Part aber bereits möglichst auswendig. Dann beginnen die szenischen Proben, die rund drei Wochen dauern, ca. 6 Stunden pro Tag.

«L’Orfeo» gilt als ganz besonderes Werk, quasi als Beginn des Opernzeitalters. Wo liegt für Sie die Herausforderung im Gesang?
Rein vom Stimmgebrauch her bedeutet für mich das Singen dieser Musik keine grosse Herausforderung. Ich bin in dieser Musik «zuhause», habe Alte Musik studiert und singe auch sonst immer wieder Werke von Monteverdi bzw. von Komponisten seiner Zeit. Das Herausfordernde ist vielmehr die Textausdeutung. Der Sprachrhythmus steht im Vordergrund, die Musik richtet sich nach ihm und nicht umgekehrt.

Sie singen zwei Rollen. Macht's das schwieriger oder kommt es nicht drauf an, wie viele Rollen gesungen werden, sondern wie viel gesungen wird?
Eher Letzteres. Bei «Fairy Queen» vor zwei Jahren hatte ich noch mehr Rollen, rein gesprochene Texte, wie auch gesungene. Und ich musste mich insgesamt neun mal umziehen während einer Vorstellung. Das wird dann schon etwas hektisch. Für die Stimme spielt das aber keine Rolle. Das Hineinschlüpfen in verschiedene Rollen, andere Stimmfarben und Affekte zu nutzen, das macht Spass und tut der Stimme gar keinen Schaden an. Der Orfeo singt aber nun sicher viel mehr als ich in diesem Stück und muss wohl eher darauf achten, dass er vorallen bei den langen Proben auch zu seinen Ruhezeiten kommt.

Wie gönnen Sie Ihrer Stimme nach dem Auftritt Erholung?
Nebst dem Warm-Up VOR dem Singen braucht es auch das Cool-down NACH dem Singen, einige Stimmübungen, die die Stimmbänder und den Muskelapparat in die richtige Spannung (zurück)führen. Für danach gehört sicher auch ein kühles Bier dazu;-) Und natürlich viel Schlaf und Ruhe am nächsten Tag vor dem nächsten Auftritt.

Sie waren vor zwei Jahren bereits bei «Fairy Queen» mit von der Partie. Gehen Sie dieses Jahr anders an die Sache heran?
Grundsätzlich nicht. Man studiert seinen Part ein, muss sich aber halt auf den jeweiligen musikalischen Stil und die gesungene Sprache einstellen. Natürlich hat man sich in der Zwischenzeit auch entwickelt und ist um einige Erfahrungen reicher, sodass das eine oder andere inzwischen vielleicht ein bisschen leichter fällt.

Was macht für Sie den Reiz einer Openair-Oper aus?
Eine Oper openair auf die Bühne zu bringen, finde ich immer besonders reizvoll. Das Schloss Waldegg bietet mit seiner wunderbaren Umgebung auch die Möglichkeit, verschiedene Teile des Schlosses und des Gartens in die Inszenierung zu integrieren. Dazu kommt die Stimmung von lauen Sommerabenden und die Natur direkt herum hilft sicher mit, damit der Zuschauer noch tiefer in die Stimmung eintaucht und sich verzaubern lässt. Natürlich ist es aus bühnentechnischer Sicht aufwändiger und eher schwieriger. Man muss die Bühne erst einmal bauen, Beleuchtungstürme aufbauen etc. Dafür kann man aber auch in grösseren Dimensionen arbeiten und zum Beispiel mit einem Golfwagen durch den Zuschauerraum brausen :-)

Worauf freuen Sie sich im Hinblick auf die Aufführungen am meisten?
Zum einen an die Momente, wo man selbst einmal kurz im Fokus steht und die Geschichte erzählen darf, zum anderen auf den Blick in ein zufriedenes Publikum, das sich hinreissen lässt und für einmal alles andere vergessen kann.

Und dann geht’s nach der letzten Aufführung am 20. August in die wohlverdienten Ferien?
Nein. Das wäre zwar schön, aber am 21. August unterrichte ich schon wieder an der Musikschule und weitere Soloprojekte stehen an. Die nächste freie Woche ist Mitte Oktober und dann gibt's erst im nächsten Februar wieder Ferien.

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